Die Puppe (Kurze Gruselgeschichte)

 Prolog

Eines Tages bekam ein Mädchen namens Nele eine Puppe geschenkt. Sie war alt und dreckig, aber Nele liebte sie trotzdem, da sie sie von ihrer verstorbenen Oma bekommen hatte. Sie behandelte sie immer, als sei sie das wertvollste der ganzen Welt. Doch hätte sie gewusst, was diese Puppe ihr und ihren Eltern antun würde, hätte sie sie wohl nie behalten.


Ein paar Wochen später:

Nele wachte auf. Es war mitten in der Nacht und etwas kratzte an der Tür. Sie hielt die Luft an, was war das? Vielleicht half es ja, wenn sie wieder einschlief oder zumindest so tat, denn an schlafen war nicht zu denken, bei diesem Kratzen. Seltsam, sie hatten doch keine Haustiere, die an Türen kratzten, also woher sollte es kommen. Neles Blick fiel auf das Regalbrett, wo ihre Puppe sonst saß, die sie kürzlich von ihrer verstorbenen Oma geerbt hatte. Seltsamerweise befand sich, als sie sie bekam, ein Warnhinweis an der Puppe: Sie sei gefährlich. Doch Nele schenkte dem zum damaligen Zeitpunkt keine Beachtung. Wie sollte denn auch ein 6 jähriges Mädchen wissen, was gefährlich ist und was nicht, geschweige denn, was Gefahr bedeutete. Nun saß die Puppe nicht mehr da, wie Nele feststellen musste. Wo war sie. Hatte ihre Mutter sie weggenommen. Sie wusste doch, dass sie das nicht durfte. Vorsichtig stieg Nele aus ihrem Bett und sogleich wurde ihr unbehaglich. Eine Eiseskälte lief ihr den Rücken herunter. Irgendetwas stimmte hier nicht, das merkte sogar das kleine Mädchen.

Ihre Zimmertür knarrte, als Nele sie vorsichtig öffnete und den Flur des Wohnhauses betrat, wo sie mit ihren Eltern lebte. Plötzlich sah sie es tiefe Kratzspuren an der Tür und eine Blutspur, die die Treppe herunter führte. Neles Knie wurden weich. Sie rief nach ihren Eltern, doch es blieb still. Mucksmäuschenstill, nur der Fernsehbildschirm leuchtete. Das sah sie sogar von oben. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und folgte der Blutspur die Treppe herunter. Ihre Mutter und ihr Vater waren nirgendwo zu sehen. Waren sie schon im Bett. Nein, das konnte nicht sein. Der Fernseher lief ja noch. Die beiden vergaßen niemals ihn auszumachen. Nele wurde immer unbehaglicher. Die Blutspur führte in die Küche. Doch was sie da sah, war unbeschreiblich. So furchterregend sie wusste nicht einmal, wie sie es beschreiben sollte.

Nele schrie, so laut sie konnte. Sie rief nach ihrem Papa, doch es kam keine Antwort. Was sie sah, war schrecklich. Blut tropfte von der Decke und der ganze Tisch war übersät davon. Inmitten dessen entdeckte sie ihre Mutter. Irgendjemand hatte sie mit einem Seil erhängt. Sie war blutüberströmt. Nele taumelte nach hinten und schrie wieder nach ihrem Vater, doch wieder keine Anwort. Da sah sie sie wieder, eine Blutspur, die ins Badezimmer führte.

So oft, wie an diesem Tag schrie Nele nie, doch was sie im Bad sah, war auch schrecklich. Ihr Vater lag tot in der Badewanne. Mit einem Messer erstochen. Die ganze Wanne voller Blut. Wer auch immer das war, Nele wusste, sie war die nächste. Auf einmal spürte sie, wie Blicke auf ihr hafteten. Als sie sich umdrehte, schaute sie in zwei leuchtend rote Augen. Es war die Puppe! Nele wollte weglaufen, doch die Puppe war schneller und plötzlich wurde alles schwarz.


ENDE




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